Unter Druck

Re:Surgo! ist das Siebdruckatelier des schwedisch-französischen Künstlerduos Anna Hellsgård und Christian Gfeller. In der Nähe vom Rosenthaler Platz kreieren und produzieren die beiden Bücher, Zines und Drucke – sowohl Eigenkreationen als auch Kollaborationen mit anderen Künstlern. Alle Werke sind Unikate oder Kleinserien – gänzlich von Hand gedruckt und gebunden.

Christian im rotor218-Interview über Spiralen, Siebdruck und die Berliner Kunstszene.

Christian Gfeller und Anna Hellsgård

Christian Gfeller und Anna Hellsgård

rotor218: Christian, was steckt hinter dem Namen Eures Ateliers?
C.G.: Resurgo ist lateinisch und bedeutet rise again, also wieder aufstehen oder wiederkehren. Es gibt die Redewendung Eadem mutata resurgo: Verwandelt kehr’ ich als dieselbe wieder. Dabei geht es um den Gedanken von Kontinuität und Entwicklung in Form einer logarithmischen Spirale. Diesen Wandel versuchen wir, in unseren Arbeiten zum Ausdruck zu bringen.

Woher kommt Eure Leidenschaft für Siebdruck?
Wir machen das schon seit 20 Jahren. Farben für den Siebdruck haben viel mehr Pigment als normale Offset-Farben, deswegen sind die Drucke bunter und die Farben kräftiger. Sie ähneln echten Malereien. Das Drucken und Binden geschieht alles in Handarbeit, die Prozesse sind deshalb für jedes Produkt unterschiedlich.
Unser Konzept ist bewusst breit gefächert. Wir machen große Projekte und Unikate für den Kunstmarkt und Galerien. Es ist aber auch interessant, eine kleine Serie von Heften herzustellen und sie für 5 € zu verkaufen. Bei uns findet man also durchaus auch Kunst zu vernünftigen Preisen.

Store In:Surgo!

Wer geht bei Euch im Laden an einem typischen Tag ein und aus?
Wir haben seit langem eine Art Fan-Basis. Sie schauen online was neu rauskommt und kommen dann her um es zu kaufen – Stammkunden sozusagen. Dann schauen oft Leute vorbei, die in der Gegend wohnen und auf uns aufmerksam werden, weil es bunt und angesagt aussieht. Und natürlich ab und zu Touristen, die uns entdecken und dieses Berlin-Feeling mit Künstlern und Ateliers erfahren wollen.

Atelier Re:Surgo!

Ihr habt Eure Kunst schon in der ganzen Welt ausgestellt. Was macht die Berliner Szene so besonders?
Früher hatten wir ein Atelier in Frankreich. Jetzt sind wir seit über zwölf Jahren in Berlin. Und ich glaube wir bleiben auch hier.
Es gibt so viele Künstler, so viele Galerien, so viele Ausstellungen, so viele Events, so viele Konzerte – man ist ständig von Inspiration und Leuten umgeben. Ich halte Berlin für den Mittelpunkt der europäischen Kunstszene. Die Szene in London oder Paris ist schon viel älter und irgendwie fehlt inzwischen die Dynamik. Und weil die Mieten dort inzwischen so teurer sind, kann man weniger experimentieren und rumspielen. Man ist ständig auf den Erfolg angewiesen. Unter diesem Druck leidet dann leider die Kreativität.

Store In:Surgo!

Findest Du, die hiesige Kunstszene hat sich stark verändert in den letzten Jahren?
Das ist schwer zu beantworten. Viele Künstler aus meiner Generation haben entweder aufgehört oder sind professioneller geworden und zum Beispiel von einer Galerie vertreten. Andere haben Jobs als Lehrer an Kunstschulen angenommen. Durch die vielen jungen Künstler bleibt die Szene aber ziemlich wild und verrückt.

Die Torstraße, was bedeutet sie für Dich?
Als wir vor sieben Jahren hier eingezogen sind, gab es viele Galerien in der Brunnenstraße und im ganzen Bezirk. Viele sind mittlerweile pleite gegangen oder in die Potsdamer Straße gezogen. Es gibt zwar auch hier inzwischen all die fancy Restaurants und angesagten Designer-Läden. Die Menschen sind aber immer noch eine bunte Mischung von Alt-Berlinern aus der Ostzeit, Neu-Berlinern, Studenten und Touristen. Aber es verändert sich schon – auch hier ist die Gentrifizierung spürbar. Ich hoffe trotzdem, dass die Gegend ihren Charme noch möglichst lange behält.
Früher sind hier vielleicht 20 Leute pro Tag durchgegangen. Inzwischen sind es ein Vielfaches, was natürlich gut ist fürs Geschäft. Andererseits gab es früher auch keine Pub Crawls, die herumschreien und uns vor den Laden kotzen…

Zum Schluss noch eine letzte Frage. Wo holt Ihr die Inspiration für Eure Arbeiten her?
Die gibt es natürlich überall: von Filmen, Ausstellungen, Musik, auf der Straße – die Liste ist endlos. Aber ich glaube am meisten inspiriert werden wir von unseren älteren Werken. Wir machen beispielsweise diese kleinen experimentellen Hefte mit Bildern. Später nehmen wir vielleicht eines davon, das wir zu einem Großdruck oder Malerei weiterentwickeln. Das ist eben dieser resurgo-Gedanken: die Arbeit wandelt sich, bleibt aber trotzdem in einem gewissen Sinne gleich wie vorher.

(LB)

Atelier Re:Surgo!

Re:Surgo!
c/o Gfeller & Hellsgard GbR
Torstraße 110
10119 Berlin
U8: Rosenthaler Platz

Öffnungszeiten Store: Mo-Sa 13-19 Uhr
Tel.: +49 (0)30-28093758
info@resurgo-berlin.com
www.resurgo-berlin.com

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