All eyes on: Clara Kaesdorf

Clara ist 24, Modedesignerin und startet gerade mit ihrem eigenen Konzeptstore in der Linienstraße durch. Das Wichtigste für sie sich selbst treu bleiben und keine Angst vorm nächsten Schritt. Die braucht es wohl auch nicht, wenn man sich anschaut was die Wahlberlinerin in den letzten Jahren so alles auf die Beine gestellt hat: von München zum Modestudium nach Berlin und Antwerpen, Bachelor fertig, Wettbewerb gewonnen, Fashion Week, eigener Store in München, Konzeptstore-Gründerin in einer der gefragtesten Ecken Berlins. Mit 24. Irgendwie ist ihr das alles selbst noch nicht ganz geheuer.

Ein Gespräch über Mode, München Klischees und ihren Weg zum eigenen Shop.

Clara Kaesdorf

Clara Kaesdorf

rotor218: Clara, wie bist Du nach Berlin gekommen?
C.K.: Ich bin 2009 hierher gekommen, um Modedesign zu studieren, und die Stadt hält mich immer noch im Bann. Die Modeszene gefällt mir hier einfach besser und ich glaube, gerade für kreative Leute ist Berlin einfach eine tolle Stadt, weil man hier unglaublich viel Input bekommt.

Was sagst Du zu dem Vorurteil, dass München konservativ und spießig ist?
Der Meinung war ich früher auf jeden Fall. Seit ich aber den Laden dort hatte, der im Zentrum von München lag, bin ich ganz anderer Meinung. Dort haben sich die Leute wirklich auf die ausgefallensten Teile gestürzt. Tatsächlich waren die Münchner viel offener für die extravaganten, teilweise sogar untragbaren Kleidungsstücke als die Berliner. Vielleicht liegt das an dem Überangebot in Berlin.

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Wie bist Du dazu gekommen Dich selbstständig zu machen?
Irgendwie hat immer eins zum anderen geführt. Nach meinem Bachelor habe ich einen Wettbewerb gewonnen und durfte dann auf der Fashion Week Berlin zeigen, was natürlich eine ziemliche Ehre ist als Jungdesignerin. Im Anschluss ging es dann so richtig los mit meiner Marke, dann wollten auf einmal viele Leute wissen, wo sie meine Sachen kaufen können. Da bin ich auf die Idee gekommen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Welches Konzept steckt hinter Deinem Laden?
Ich wollte einen Konzeptstore eröffnen zusammen mit anderen jungen Designern, die alles selber produzieren, die vom Stil her gut zusammenpassen, aber verschiedene Sachen machen. Wichtig ist mir, dass alles handgefertigt ist und die Produkte Individualisierung zulassen. Wir sind also in diesem Sinne kein Pop-up-Store, wie viele denken. Unser Geschäft ist dauerhaft, nur der Inhalt wechselt. So bleibt es für die Leute interessant.

Wer ist alles an Deinem Laden beteiligt?
Im Moment sind wir 15 Leute hier, wir sind aber ein sehr dynamisches Team. Einige kenne ich persönlich, zum Beispiel durchs Studium. Ein paar habe ich auf Ausstellungen kennengelernt oder bin im Internet auf sie gestoßen. Andere haben mich auch direkt angeschrieben oder sind zu mir in den Laden gekommen, weil sie irgendwie von mir gehört haben.

Was kann man bei Euch kaufen?
Es fängt mit Mode an, über Accessoires, wie Taschen oder Rucksäcke, Schmuck und Uhren aus Holz, Fliegen für Männer oder Häkelkragen von Rita in Palma. Das ist ein Berliner Label, das zusammen mit türkischen Frauen gehäkelten Schmuck designt und von Hand herstellt. Daneben verkaufen wir auch Interieur-Produkte und Möbel. Zum Beispiel Regale aus speziellem Holz, die sich individuell verformen lassen.

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Was inspiriert Dich beim Entwerfen der Kollektionen?
Ich habe bei jeder Kollektion ein eigenes Thema. Aber trotzdem versuche ich immer, grafisch zu bleiben, deshalb arbeite ich bei der Schnittführung mit einer Kombination aus Konstruktion und Drapage. Und ich bin der Meinung, es ist das nachhaltigste Konzept, wenn der Kunde seine Kleidung so weit wie möglich selber mitbestimmt. Dadurch erhält sie einen höheren Wert und wird letztlich auch länger getragen.

Hast Du ein Vorbild? Oder gibt es eine Person, die Dich nachdrücklich beeindruckt hat?
Yamamoto beeindruckt mich sehr. Der japanische Modedesigner sagt, eine Frau muss nicht unbedingt schön sein und es soll in der Mode nicht darum gehen, durch teure Kleidung eine bessere Position innerhalb der Gesellschaft zu bekommen. Mode ist dazu da, sich selber auszudrücken.

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Was magst Du besonders an der Torstraße?
Die Gegend hier um die Torstraße ist mein Lieblingsviertel in Berlin. Weil es noch ein bisschen den Charme des alten Berlins hat und trotzdem cool ist. Es gibt alteingesessene Designer und junge, zugezogene, hippe Leute. Das ist eine einzigartige Kombination. Wir suchen ein Publikum, das Kunst mag, in Galerien geht, Handwerk zu schätzen weiß und gleichzeitig Innovatives will. Dafür ist die Torstraße perfekt.

Wo trifft man Dich in Deiner Mittagspause?
Schön finde ich das Confiserie Orientale gleich nebenan. Da bekommt man orientalisches Gebäck und auch Herzhaftes. Toll, ist auch das chinesische Teecafé hier um die Ecke in der Tucholskystraße. Dort gibt es ganz seltene Teesorten und jeder Besuch ist wie eine eigene Zeremonie. Nach Feierabend gehe ich am liebsten direkt auf die Torstraße oder Richtung Rosenthaler Platz. Da gibt es eine schöne Bar neben der anderen. Mein Favorit: Clärchens Ballhaus in der Auguststraße. Im Sommer kann man mich da regelmäßig draußen im Biergarten treffen.

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Und wer Claras Mode auf dem Laufsteg sehen möchte: Für die Fashion Week präsentiert sie ihre aktuelle Kollektion morgen im Umspannwerk am Alexanderplatz. Um 18 Uhr geht’s los. Mehr Infos bekommt Ihr hier.

(EM)

LINIE CLARA KAESDORF
Linienstraße 114
10115 Berlin
Tel.: +49 176 – 647 34 775
www.clara-kaesdorf.com
info@clara-kaesdorf.com
Öffnungszeiten: Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-17 Uhr

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